together unique

gemeinsam einzigartig

Bild zum Eintrag: Sie sind das Symbol der Europeada

Sie sind das Symbol der Europeada

Aus dem bunten Strauß an Mannschaften, die an der Europeada 2022, der Fußballmeisterschaft der autochthonen europäischen Minderheiten in Kärnten/Koroška teilnehmen, heben sich insbesondere die Kroaten in Serbien und die Serben in Kroatien ab. Sie sind nicht nur gemeinsam hierher angereist, sondern wohnen auch im gleichen Hotel, beim Vogel/Eckwirt in St. Primus/Šentprimož. Außerdem ist es für sie ungemein bedeutend, im Sinne des friedlichen Zusammenlebens und Wirkens gemeinsam die tragische Geschichte und die Folgen des unheilvollen Krieges auf dem Boden des ehemals gemeinsamen Staates Jugoslawien zu überwinden. Somit sind sie zum Symbol des sportlichen und gesellschaftspolitischen Verbindens der heurigen Europeada geworden.

Die kroatischen Serben treten bei der Europeada als Auswahl der Serben in Kroatien auf. In der Elf stehen Spieler verschiedener Fußballteams, die im serbischen Sport-und Rekreationsverein in Kroatien zusammengefasst sind. Schwerpunktmäßig wirken sie in Zagreb, in Ostslawonien sowie in Vukovar. Der Auftritt bei der Europeada 2022 wird vom Nationalrat der Serben in Kroatien, der politisch-gesellschaftlichen Dachvertretung der Serben in Kroatien, und dem Amt für Volks- und Minderheitenrechte der Republik Kroatien unterstützt.

Fußball verbindet

Das Team der Kroatien mit Sitz in Subotica in der Vojvodina ist eine anerkannte Vereinskörperschaft und wird von der Demokratischen Allianz der Kroaten in der Vojvodina unterstützt. Die Auswahl wurde vor etwa 15 Jahren anlässlich des vom Kroatischen Fußballverband HNS organisierten Turniers der autochthonen kroatischen Minderheiten in Europa gegründet. Die Kroaten aus der Vojvodina gingen als Sieger hervor und gewannen auch die Weltmeisterschaft der kroatischen Minderheiten.

Die grenzüberschreitende fußballerische Zusammenarbeit zwischen den Serben in Kroatien und den Kroaten in Serbien wurde vor einem Jahrzehnt beim FUEN-Kongress in Moskau begründet, als der damalige Obmann des Nationalrates der Serben in Kroatien Saša Milošević und der jetzige Teamchef der serbischen Kroaten Ivan Budinević ein Freundschaftsspiel beider Mannschaften andachten. Vier Jahre später, im Jahre 2016, fand dieses erste Freundschaftsspiel in Vukovar statt, jener Stadt, die als symbolträchtiger Ort der Brutalität und Unsinnigkeit der jüngsten Kriege auf dem Boden des ehemaligen Jugoslawiens gilt. Laut der serbischen Delegationsleiterin Tatjana Dragičević war dies ein denkwürdiges Schlüsselereignis, von keiner bösen Überraschung oder chauvinistischem Auswuchs überschattet. Das Spiel war gleichzeitig Teil der Vorbereitungen auf die Europeada 2016 in Südtirol

Gegenseitige Unterstützung

Zu diesem Zeitpunkt aber fehlte es beiden Mannschaften an den nötigen finanziellen Mitteln für die Teilnahme an der Europeada. Ein großzügiger Privatsponsor übernahm alle Beherbergungskosten beider Mannschaften in Südtirol, der Nationalrat der Serben in Kroatien und der Kroatische Fußballverband trugen die Kosten für die gesamte Ausrüstung und den Bustransfer. Die Kroaten in Serbien bedankten sich ausdrücklich bei den Serben in Kroatien für diese große Geste der Freundschaft und Hilfeleistung.

Obwohl die amtliche Politik die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beider Volksgruppen über die ehemaligen Frontlinien hinweg (noch) nicht wahrgenommen hat und auch nicht unterstützt, haben die Serben und Kroaten beiderseits der Grenze ihren zukunftsweisenden Weg fortgesetzt und ausgebaut. Im Jahre 2019 fand in Tavankut bei Subotica ein weiteres freundschaftliches Kräftemessen statt, das vom Fernsehen in den gesamten Balkanraum ausgestrahlt und begeistert aufgenommen wurde.

Selbstverständlich freuen sich beide Mannschaften auf die Europeada in Kärnten. Sie loben ausdrücklich, dass „ihr dieses Turnier so hervorragend organisiert habt! In Kärnten, bei euch Kärntner Slowenen, fühlen wir uns wie zu Hause. Der große Traum aber wäre ein Europeada-Finale unserer beider Mannschaften. Es wäre das ultimative „El clasico regionale“!